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Spitzen Leichtathletik Luzern 2017: Johannes Vetter mit Jahresweltbestleistung überragend

Vier 90-Meter-Würfe in einem Speerwurf-Wettkampf. Und einer davon auf die deutsche Rekordweite von 94,44 Meter. Johannes Vetter (LG Offenburg) hat am Dienstag bei Spitzen Leichtathletik Luzern ein neues Level erreicht und weltweit für Furore gesorgt. Aber auch die Leistungen von Schweizer Athletinnen und Athleten waren für die tolle Stimmung verantwortlich.

 

Bei regnerisch-kühlen Bedingungen konnten keine Bestwerte erwartet werden. Man stellte sich allgemein auf spannende aber nicht überragende Wettkämpfe ein. Weit gefehlt! Was die deutschen Speerwerfer Johannes Vetter (24, Offenburg) und Thomas Röhler (26, Jena) aus dem Köcher zauberten, liess auch Leichtathletik-Outsider nicht mehr kalt. Die standing Ovation bei der Siegerehrung um 22.20 Uhr liess die beiden vom „besten Publikum, das man sich wünschen kann“ reden. Doch der Reihe nach.

 

Röhler, als amtierender Olympiasieger und aktuelle Welt-Nr. 1 am Start, musste bereits am Wochenende bei den deutschen Meisterschaften Vetter den Vortritt lassen. Mit vier Würfen über die 90m Marke und der Bestweite von 94,44m, sorgte Vetter für die zweitbeste je auf der Welt erzielte Weite, die zweitbeste je realisierte Wurfserie, und einen neuen deutschen Rekord. Sehr zum „Leidwesen“ seines Trainers Boris Obergföll, der als Boris Henry vor Jahren selbst mehrmals in Luzern am Start war. Denn Obergföll musste danach das Rekordprotokoll des deutschen Verbandes ausfüllen, das einem Weltrekord-Protokoll in nichts nachsteht…

 

Auch Thomas Röhler warf mit 89.45m noch weiter als der alte Stadionrekord (Sergey Makarov aus Russland: 88.96 im Jahre 2002) und teilte sich mit seinem Kollegen den Superjackpot von 5000 US-Dollars und mit drei weiteren Kolleginnen den Diamond-Jackpot von 20‘000 US-Dollars. Hürdensprinterin Nelvis Shakira (27, USA) in 12,67sec, Speerwerferin Christin Hussong (23, GER) mit 64,18 und die Schweizer 400m-Hürdenläufeirn Petra Fontanive (29, TV Unterstrass Zürich) partizipierten ebenfalls. Neben Fontanive sorgten aber noch weitere Schweizerinnen für Stimmung. Das 200m-Duell zwischen den beiden EM-Bronzemedaillen-Gewinnerinnen Lea Sprunger (Rekordhalterin in 22,38sec) und Mujinga Kambundji (Bestleistung 22,80) riss die Zuschauenden von den Sitzen. Lea Sprunger konnte am Schluss noch entscheidend zusetzen und siegte in 22,97sec knapp vor Aaliyah Brown (22, USA), die 22,98sec realisierte. Mujinga Kambundji wurde im Gegenwind ausgezeichnete Dritte in 23,06sec.

 

Sprint-Rekordhalter Alex Wilson (27, OB Basel) schlug sich angesichts der Wetterbedingungen ebenfalls sehr gut. Die 20,46sec über 200m waren seine zweitbeste Leistung überhaupt, die mit dem 3. Rang belohnt wurde. Im 100m Sprint erreichte er bei Regen 10.44sec. Nicht wunschgemäss lief es 400m-Hürdenläufer Kariem Hussein (28, LC Zürich). Vor Wochenfrist noch erster Schweizer Sieger an einem Diamond-League-Meeting (Lausanne), konnte er vor der neunten Hürde seinen bereits legendären Kick nicht realisieren und musste die Gegnerschaft ziehen lassen. Mit 49,79sec bleib dem Vorjahresseiger in diesem Spitzenfeld immerhin noch der sechste Rang. Weitspringer Christopher Ullmann (24, OB Basel) belegte zwar den zweiten Rang, verpasste aber seinen ersten 8m-Sprung mit 7,72m deutlich.

 

Bleiben noch Stabhochspringerin Nicole Büchler (34, LC Zürich), Hürdensprinterin Noemi Zbären (23, SK Langnau) und Siebenkämpferin Géraldine Ruckstuhl (19, TV Altbüron). Alle drei konnten nicht an ihre Bestleistungen anknüpfen. Büchler machte der Regen einen Strich durch die Rechnung. Mit 4,40m blieb die Diamond-League-Siegerin deshalb deutlich unter ihrer Reputation. Zbären litt an einer Prellung, die sie sich in Lausanne zugezogen hatte und musste sich nach einjähriger Verletzungspause mit 13,44sec begnügen. Géraldine Ruckstuhl schliesslich zeigte ebenfalls einen soliden Wettkampf im Speerwerfen auf ihrer Trainingsanlage. Als Juniorin und Nicht-Spezialistin im vom Regen ebenfalls stark beeinträchtigten, hochklassigen Feld durfte sie mit 52,01 – erzielt im letzten Versuch – zufrieden sein. Sie hat in zehn Tagen eine U20-EM-Medaille in Grossetto zum Ziel.

 

Spitzen Leichtathletik Luzern 2017 stand aber auch im Zeichen des Abschieds von Max Plüss als OK-Präsident. Nach 31 Jahren wurde er zum Ehrenpräsidenten des Meetings ernannt und als Geschenk wirken dem Neo-Golfer Lektionen mit einem Golf-Pro. Sein Nachfolger Karl Vogler übergab ihm unter grossem Applaus des Publikums dieses Präsent.

 

Stimmungsmässig war es eine der besten Veranstaltungen. Vor allem die Athletinnen und Athleten haben das Publikum über alle Massen gelobt. Denn was für sie gilt, mittendrin zu sein, statt nur dabei, das traf in Luzern auch auf die rund 6’000 Zuschauerinnen und Zuschauer zu: sie waren mittendrin statt nur dabei!